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Ob fern, ob nah, die Bahn ist selten pünktlich da!

In diesen Tagen sind vor allem die Pendler wieder besonders begeistert vom nicht zu übersehenden (und leider auch oft nicht vorhandenen) Service der Deutschen Bahn. Jeder Arbeitnehmer dürfte verstehen können, dass andere Arbeitnehmer für bessere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gehen - mehr Geld will jeder, weniger arbeiten auch. Aber die utopische Forderung von 31% mehr Lohn und lieber weniger Arbeit als mehr kann in der heutigen Zeit einfach nicht funktionieren, liebe GDL! In jeder Branche muss inzwischen ein bisschen mehr gearbeitet werden, der Lohn steigt zwischen 3 und 5 % für Ottonormalbürger, und das war's - gerade bei körperlich anstrengenden Berufen, die täglich achtstündiges Stehen und harte Arbeit erfordern, scheint mir das inzwischen eher unterdimensioniert, vergleicht man Tarifabschlüsse für Leute in Bürojobs, die unter ganz anderen Bedingungen arbeiten können.

 

Aber bleiben wir doch grundsätzlich beim Modell "Wir wollen mehr Geld, also wird gestreikt, bis wir es so bekommen, wie wir es uns vorstellen!". Wer hier auf 31% mehr Lohn spekuliert, wird schätzungsweise bis 2021 streiken und spätestens dann von der Inflation oder dem dritten Weltkrieg überholt worden sein. Die Leidtragenden davon aber sind diejenigen, die auf Bus und Bahn angewiesen sind, um zur Arbeit zu gelangen - drei Stunden Streik im Ruhrgebiet bedeuten für den gesamten Tag Verspätungen, ausfallende Züge und so weiter - wer ohnehin einen Gesamtarbeitsweg von etwa drei Stunden pro Tag hat, darf sich dann auf etwa fünf Stunden einrichten, und war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch noch morgens zu spät bei der Arbeit. Spätestens alle auf Stundenbasis bezahlten Arbeitnehmer freuen sich richtig über Streiks, denn die verlorenen Stunden ersetzt einem niemand, nicht einmal die streikenden Lokführer.

 

Im Augenblick liegt das Nettogehalt eines Lokführers bei etwa 1500€ im Monat, bei den 60% der angestellten Lokführer kommt ein verheirateter Lokführer laut Zeitung und Bahnangaben auf durchschnittlich 2100,- Euro netto (Grundgehalt 1970,- - 2142,- Euro brutto + Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Wochenendzulagen, Schichtzulagen, Entfernungs- und Verpflegungspauschalen) - von 2100€ netto können die meisten Berufssparten nur träumen, andere müssen in ihrem Beruf ebenso 100% leisten, meistens für weniger Geld und unter deutlich härteren Bedingungen - fragt im metallverarbeitenden Fach nach, oder bei allem, was in irgendeiner Form mit Fabriken zu tun hat. Ausbildungstechnisch ist es dieselbe Anforderung, die üblichen drei Jahre, in sofern sollte man hier jetzt nicht mit dem üblichen 'aber mein Job ist sehr viel komplizierter' Argument ankommen. Wer einmal eine CNC-Fräse auf Milimeterarbeit programmieren durfte, wird sich über diesen Spruch aus dem Mund eines ICE-Piloten sicher totlachen. Aber dieses Thema des Vergleichs von Berufen ist müßig, Äpfel und Birnen sind immer schon schwer zu vergleichen gewesen ... woran wir uns derzeit festhalten müssen, sind die nackten Tatsachen:

 

Das Arbeitsrecht in Deutschland, einen entsprechend eklig gelaunten Chef vorausgesetzt, sieht vor, dass Arbeitnehmer selbst dazu verpflichtet sind sicherzustellen, dass sie pünktlich zur Arbeit erscheinen - dadurch entstehende Mehrkosten, beispielsweise bei Nutzung eines Taxis, wenn es keine anderen Möglichkeiten geben sollte, bezahlt der Angestellte aus eigener Tasche. Streiks, die vorher feststehen, sind also kein Grund, beim Chef auf Nachsicht hoffen zu können, im Zweifelsfall muss man die verlorenen Stunden nacharbeiten. Bedenkt man, wieviel Freizeit einem allein dann noch durch Zugverspätungen flöten gehen kann (wenn man zweimal auf dem Arbeitsweg umsteigen muss, wartet man sehr oft bis zu einer Stunde täglich mehr auf den nächsten Zug, falls eine Bahn zu spät kommt und der Anschluss weg ist), ist es für mich ehrlich gesagt nahe an der Grenze zur Unverschämtheit, was derzeit in Deutschland abgeht. Ein paar tausend Leute wollen mehr Geld - okay. Einem ungleich größeren Teil an Leuten, die aus welchen Gründen auch immer nicht mit dem Auto zur Arbeit kommen *können!*, entsteht ein finanziell nicht einmal unerheblicher Schaden.

 

Liebe GDL, wollt ihr das uns Arbeitnehmern zahlen, den Ersatz für die Fehlstunden dank eurer Streiks? Nein? Dann auch kein Verständnis für diesen Streik.

11:27 - 10.10.2007 - comments {0}


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